Autor: The Dividend Post (Clemens)
2 Juni 2026
Das beherrschende politische Thema blieb der Nahostkonflikt. Die Märkte setzen inzwischen auf eine baldige Entspannung – konkret auf eine Verlängerung der Waffenruhe und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Ob daraus ein tragfähiges Abkommen wird oder die Lage doch wieder eskaliert, ist allerdings noch offen. Mein persönliches Fazit für den Monat: Die Risikofreude ist groß, die Treiber sind es aber auch – KI auf der einen, Geopolitik auf der anderen Seite. Beides bleibt im Blick der Marktteilnehmer, denn beides kann schnell wieder in die entgegengesetzte Richtung drehen.
Unabhängig von der geopolitischen Weltlage bleibt ein fester Bestandteil meines Investmentprozesses die monatliche Bestandsanalyse, in der ich zu Beginn eines jeden Monats systematisch die für meine Strategie passenden Nachkauf-Kandidaten ermittle. Dabei ist mir wichtig, transparent zu machen, wie ich bei jenen Unternehmen vorgehe, die aus einer rein „fundamentalen Perspektive“ für einen Nachkauf in Frage kämen. Insbesondere die Nachvollziehbarkeit der Gründe, warum sich zum aktuellen Zeitpunkt eine Aufstockung im Einklang mit meinem Regelwerk anbietet, ist der Kern dieser Analyse.
Zunächst blicke ich auf die Investments des vergangenen Monats. Wohin die monatliche Tranche floss oder ob ich doch die Liquiditätsreserve erhöhte, bildet den Ausgangspunkt, ehe ich im zweiten Teil mit der Ermittlung potenzieller Nachkäufe in Form eines Ausblicks fortsetze. So viel sei verraten: Auch im Monat Juni kann ich mich nicht über die Anzahl der zur Auswahl stehenden Werte beschweren. Legen wir los!
Im letzten Portfolio-Update berichtete ich über meine Nachkäufe im April. Unter Hinzunahme dieser Transaktionen ergibt sich die folgende Sektorenverteilung, gemessen am investierten Kapital, mit Stichtag 30.4.2026:
| Sektor nach Global Industry Classification Standard (GICS) | Zielkorridor für Invest (in %) | Status 30.4.2026 | Aktuell investiert (in €) |
|---|---|---|---|
| Basiskonsum | 15.0% | 14.9% | 9 505.08 |
| Industrie | 13.0% | 13.1% | 8 343.78 |
| Finanzen | 13.0% | 13.7% | 8 733.88 |
| Gesundheitswesen | 13.0% | 12.4% | 7 905.47 |
| Informationstechnologie (IT) | 13.0% | 13.8% | 8 842.09 |
| Grund- und Rohstoffe | 10.0% | 8.8% | 5 613.18 |
| Nicht-Basiskonsum | 8.0% | 7.9% | 5 077.97 |
| Kommunikation | 5.0% | 4.6% | 2 913.16 |
| Versorger | 5.0% | 6.0% | 3 806.47 |
| Energie | 5.0% | 4.9% | 3 145.38 |
Auf Basis dieser Ausgangslage habe ich im Mai drei Transaktionen durchgeführt. Hier der Überblick:

Die Mai-Transaktionen im Überblick (Quelle: parqet*)
Das Premiereninvestment im Echtgeld-Portfolio ist bewertungstechnisch nach vier Jahren wieder in den „Nachkauf-Korridor“ gerutscht. Ein Kurs unter 500 Euro qualifizierte den weltgrößten Rückversicherer in meinen Augen für den erstmaligen Nachkauf. Diese Marke wurde im Mai deutlich unterschritten. An den Qualitätsmerkmalen der Münchener Rück bestehen überhaupt keine Zweifel, wie ich im kürzlich erschienenen Review dargelegt habe. Am 29. Mai habe ich meine Position aufgestockt und eine Aktie zum Preis von 451,50 Euro gekauft.

Total Return der Münchener Rück (Quelle: aktien.guide*)
McDonald's kämpft wie andere Fast-Food-Ketten mit einem herausfordernden Marktumfeld. Gering- und Mittelverdiener haben ihr Ausgabeverhalten angepasst und gehen seltener auswärts essen. Bei Marktbeobachtern herrscht Skepsis, ob der Fokus auf günstigere Menüs tatsächlich zu einer schnellen Rückkehr zu starkem Wachstum führt. Bisher wäre bei einem Kurs unter 295 USD ein Nachkauf erwägenswert. Gesagt, getan. Anfang Mai stockte ich beim Dividendenkönig zum Kurs von 284,50 USD pro Aktie mit zwei weiteren Aktien auf.

Total Return von McDonald's (Quelle: aktien.guide*)
Wie aus den letzten Portfolio-Updates bekannt steht Zoetis schon seit einigen Monaten auf meiner Kaufliste. Aufgrund des Kursdebakels nach Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen habe ich ein weiteres Mal um 5 Aktien zum Preis von 87,20 USD je Aktie aufgestockt. Wenn man sich die Nachkaufkurse vor Augen führt, dann wird einem klar, dass ich bei Zoetis nicht gerade den günstigsten Zeitpunkt erwischt habe. Sei’s drum. Das war meine vorerst letzte Tranche.

Total Return von Zoetis (Quelle: aktien.guide*)
Wie es sich für ein Portfolio-Update auf diesem Blog gehört, werfe ich zum Einstieg in die Bestandsanalyse einen Blick auf die Indexebene: Anhand des S&P 500 lässt sich ein Stimmungsbild zur aktuellen Bewertung nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ableiten. Die Gründe, weshalb das KGV auf Indexebene mit Vorsicht zu bewerten ist, sind mir bewusst: Verzerrungen durch Ausreißer, überproportionale Beeinflussung durch Schwergewichte wie die Big-Tech-Werte oder Veränderungen der Indexzusammensetzung im historischen Vergleich. Sei’s drum. Aktuell liegt das KGV mit 23,7 um sechs Punkte über dem Zehnjahresdurchschnitt. Infolge des jüngsten Kursanstiegs im Vergleich zum letzten Update ist der S&P 500 damit im ausgewählten Zeitraum insgesamt stark überbewertet.

Die Bewertungslage im S&P 500 (Quelle: aktienfinder.de)
Der STOXX Europe 600, der die Marktlage in Europa abbildet, umfasst die 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas und beschränkt sich im Gegensatz zum EURO STOXX 50 nicht nur auf die Eurozone. Wichtige Länder wie Dänemark, Großbritannien, Norwegen oder die Schweiz sind in diesem Index berücksichtigt. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre war der STOXX Europe 600 mit einem KGV von 15,4 bewertet. Aktuell liegt dieses bei 16,8, was insgesamt einer moderaten Überbewertung entspricht.

Die Bewertungslage im STOXX Europe 600 (Quelle: aktienfinder.de)
Als komplementären und gleichzeitig abschließenden Schritt meiner ersten Orientierungsphase auf der Makroebene ergänze ich die Bewertungslagen der beiden Indizes um die folgende Darstellung, in welcher die Earnings Yield des S&P 500 mit der Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen (Treasuries) verglichen wird.

S&P 500 Earnings Yield vs. US10Y Yield (Quelle: gurufocus.com)
Die Earnings Yield des S&P 500, berechnet als umgekehrtes KGV, gibt an, wie viel Gewinn ein Investor für jeden investierten Dollar erhält. Im Vergleich zur Rendite von US-Staatsanleihen hilft sie zu beurteilen, ob Aktien verglichen mit Anleihen attraktiv bewertet sind. US-Staatsanleihen gelten nach wie vor als risikoarm, während Unternehmensaktien mit einem höheren Risiko verbunden sind. Eine höhere Earnings Yield gegenübergestellt zur Anleihenrendite kann darauf hindeuten, dass Investoren für das zusätzliche Risiko von Aktien besser kompensiert werden – wie die obige Grafik derzeit klar zeigt, ist das nicht der Fall. Insgesamt bietet dieser Vergleich Einblicke in die relative Attraktivität von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren. Persönlich ist er für meine Anlageentscheidung kaum von Bedeutung, erweitert als Datenpunkt jedoch meine subjektive Einschätzung der gegenwärtigen Börsenlage.
Für die Frage, ob ich meine Bestandspositionen aufstocke oder mein hart erarbeitetes Geld vorerst der Liquiditätsreserve zuführe, sind zum einen der individuelle Investmentprozess und zum anderen das zugrunde liegende Regelwerk entscheidend.
Das folgende Schema verwende ich seit einigen Monaten für die Ermittlung potenzieller Nachkäufe. Die vier Prozessschritte kurz zusammengefasst:
1) Qualitäts-Check: Ist der Investment Case weiterhin valide? ✅
2) Ist der Sektor im Verhältnis zur Zielallokation nicht übergewichtet? ✅
3) Sind in einem Einzelwert nicht mehr als 5 Prozent des eingesetzten Kapitals investiert? ✅
4) Liegt die aktuelle Bewertung unter bzw. nahe dem Dreijahresdurchschnitt (EV/EBITDA bzw. KBV bei Banken und Versicherungen)? ✅
Erster Schritt
Die Frage nach der Qualität der einzelnen Unternehmen habe ich im Rahmen der Investment Cases ausführlich erläutert. Dieser „Quality-Check“ stellt somit den ersten Schritt der Bestandsanalyse dar. Denn nur wenn ich weiterhin von der Qualität eines Unternehmens überzeugt bin, kommt der Einzelwert für einen Nachkauf in die engere Auswahl. Anderenfalls schrecke ich auch nicht davor zurück, mich von dem einen oder anderen Unternehmen zu trennen, wenn meine Investmentthesen nicht erfüllt sind.
Zweiter Schritt
Ich verfolge einen Top-Down-Ansatz, verzichte dabei jedoch vollständig auf eine detaillierte Analyse makroökonomischer Faktoren wie große wirtschaftliche Trends, Zinssätze, Inflation, geopolitische Ereignisse und das Wirtschaftswachstum.
Die Unternehmensauswahl orientiert sich an einem breit diversifizierten Portfolio, bestehend aus zehn Sektoren, die sich wiederum in unterschiedliche Branchen untergliedern. Für jeden Sektor bestimme ich eine vordefinierte Zielallokation. Diese Zielgröße verstehe ich als Bandbreite – eine Abweichung um plus/minus 1 Prozent ist daher kein Sakrileg. Dadurch versuche ich, einer zu starken Konzentration einzelner Sektoren vorzubeugen, soweit dies in der Praxis möglich ist.
| Sektor nach Global Industry Classification Standard (GICS) | Zielkorridor für Invest (in %) | Status 31.5.2026 | Aktuell investiert (in €) |
|---|---|---|---|
| Basiskonsum | 15.0% | 14.6% | 9 505.08 |
| Industrie | 13.0% | 12.8% | 8 343.78 |
| Finanzen | 13.0% | 14.1% | 9 186.88 |
| Gesundheitswesen | 13.0% | 12.7% | 8 277.16 |
| Informationstechnologie (IT) | 13.0% | 13.6% | 8 842.09 |
| Grund- und Rohstoffe | 10.0% | 8.6% | 5 613.18 |
| Nicht-Basiskonsum | 8.0% | 8.5% | 5 564.64 |
| Kommunikation | 5.0% | 4.5% | 2 913.16 |
| Versorger | 5.0% | 5.8% | 3 806.47 |
| Energie | 5.0% | 4.8% | 3 145.38 |
Fällt ein Unternehmen in einen Sektor, der laut Zielallokation noch nicht übergewichtet ist, gilt der zweite Prozessschritt als „bestanden“ und ich fahre mit der Bestandsanalyse fort.
Momentan bin ich in keinem Sektor gravierend überinvestiert, wenngleich ich im Finanzsektor beim Blick auf das Limit nur mit zugedrücktem Auge noch ein Investment zulassen kann.
Dritter Schritt
Drittens habe ich mir als Regel auferlegt, nie mehr als 5 Prozent in einen Einzelwert zu investieren. Momentan trifft dies auf kein Unternehmen im Echtgeld-Portfolio zu. Im Folgenden liste ich die 5 Einzelwerte mit der höchsten Gewichtung nach investiertem Kapital auf.
| Unternehmen |
Status 31.5.2026 |
Aktuell investiert |
|---|---|---|
| Rio Tinto | 4.4 % | 2 840.15 |
| Zoetis | 4.3 % | 2 771.59 |
| Microsoft | 4.3 % | 2 745.04 |
| Nestlé | 3.7 % | 2 404.55 |
| Unilever | 3.5 % | 2 272.23 |
Vierter Schritt
Ist dieses Kriterium ebenfalls erfüllt, betrachte ich im vierten und letzten Schritt die Bewertung. Hierbei ziehe ich den Enterprise Value (EV) als Ausgangswert heran. Diese Kennzahl setze ich ins Verhältnis zum operativen Ergebnis (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen), ausgedrückt durch das EBITDA. Das ermittelte Ergebnis vergleiche ich mit dem Dreijahresdurchschnitt, um zu prüfen, ob sich derzeit ein geeigneter Zeitpunkt für eine Aufstockung der Position bietet oder eine Phase der Überbewertung vorliegt. Alternativ kann auch der EV ins Verhältnis zum Free Cashflow gesetzt werden. Bei Banken und Versicherungen verwende ich das Kurs-Buchwert-Multiple.


(Quelle: eigene Darstellung)
Veränderungen im Vergleich zum letzten Portfolio-Update:
Upgrades (2):
🟢 CME Group
🟢 Waste Management
Downgrades (0):
🔴 Leermeldung
Basierend auf den aktuellen Daten ergibt sich der folgende Status: Von den insgesamt 38 Unternehmen kommen 17 Werte für einen Nachkauf in Frage, da sie bei allen vier Kriterien im grünen Bereich liegen und den Check damit erfolgreich bestanden haben.
Im Folgenden meine Einschätzung zu den 17 Unternehmen – in gebotener Kürze:
Aus der mittlerweile auf 17 Werte angewachsenen Beobachtungsliste kristallisieren sich für den Juni sechs vorrangige Nachkauf-Kandidaten heraus. Betrachte ich die Bewertung von A. O. Smith, drängt sich der Industriewert am stärksten für einen Nachkauf auf. Der US-Dividendenaristokrat notiert bereits unter meiner Marke von 60 USD und steht damit ganz oben auf der Kaufliste. Dicht dahinter folgt die Münchener Rück. Nach dem Einstieg Ende Mai ist der Rückversicherer weiterhin im Nachkauf-Korridor; bei Kursen unter 425 Euro ziehe ich eine weitere Tranche in Erwägung.
Aus dem defensiven Lager bleibt Nestlé mein Favorit. Unter 80 CHF erachte ich den Schweizer Konsumgüterriesen weiterhin als günstig. Eventuell klappt es im Juni endlich mit einem erneuten Nachkauf. Bei den Versorgern hat American Water Works trotz meiner Februar-Aufstockung nichts von seinem Reiz verloren und bleibt ab einem Kurs unter 125 USD ein aussichtsreicher Aufstockungskandidat. Im Nicht-Basiskonsum behalte ich Home Depot eng im Blickfeld: Von den Höchstkursen ist die im Wandel befindliche Baumarktkette deutlich zurückgekommen, weshalb ich mein Nachkaufsignal konsequent auf unter 300 USD je Aktie nachgeschärft habe. Im Finanzsektor schließlich rückt die CME Group in den Vordergrund.
Bewusst zurückhaltend bleibe ich bei den übrigen Werten. Bei Microsoft warte ich weiterhin einen erneuten Test der 350-Dollar-Marke ab, die sich aktuell nicht abzeichnet, ehe ich die Maximalgewichtung von 5 Prozent voll ausschöpfe. Nike und Zoetis sind nach den jüngsten Aufstockungen voll ausgebaut, bei Roper Technologies und Unilever lasse ich der operativen Entwicklung Zeit. Und letztlich bleibt Diageo nach der Dividendenkürzung gemäß meinem Regelwerk vorerst kategorisch außen vor.
Unverändert befinden sich 38 Werte im Echtgeld-Portfolio. Die Liquiditätsreserve reduzierte ich auf nun 1.450 Euro aufgrund der drei Nachkäufe im Mai, die die Summe aus der monatlichen Tranche überstiegen. Abonnenten meines Substack-Chats werden über alle Transaktionen im Depot sofort per Chat bzw. E-Mail-Benachrichtigung informiert.
Unter Berücksichtigung der üblichen GICS-Sektoreneinteilung der einzelnen Unternehmen ergibt sich die folgende Zusammensetzung nach vollem Ausbau des Depots:

Endausbaustufe des Echtgeld-Portfolios (Quelle: eigene Darstellung)
Dank der Lösung von parqet* kann ich mit überschaubarem Zeiteinsatz das Echtgeld-Portfolio auf meinem Blog abbilden. Gerade das Thema Allokation wird so übersichtlich dargestellt. Zudem gefällt mir das Dividenden-Dashboard mit der Darstellung der persönlichen Dividendenrendite und des Dividendenwachstums.
Hier findest du den Status per 31.5.2026 als Screenshot:

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