Autor: The Dividend Post (Clemens)
2 April 2025
Zum letzten Mal für den März lasse ich den vergangenen Monat aus der nüchternen Perspektive eines Investors mit dem Fokus auf Dividendenqualität nochmals Revue passieren. Bei der Aktie des Monats handelt es sich um eine wahre Ikone aus dem IT-Sektor. Außerdem gebe ich einen kurzen Ausblick zu kommenden Dividendenerhöhungen im April.
Den Auftakt bildet routinemäßig der Monats-Überblick zu jenen Unternehmen, die ihre Anteilseigner in den letzten Wochen am stärksten durch erhöhte Dividenden am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben ließen. In Verbindung mit meinem persönlichen Regelwerk strukturiere ich mir eine adäquate Auswahl investitionswürdiger Einzeltitel, indem ich u.a. die aktuellen (in Eigenregie verifizierten) Informationen, die im DGI Screener einpflegt und im Dividend Post Monats-Report veröffentlicht werden, mitberücksichtige. Dies ist ein wichtiger Bestandteil meines Investment-Prozesses. Nun aber zum besagten Monats-Ranking:
(Quelle: eigene Darstellung)
Dies ist eine Liste von Unternehmen gereiht nach ihrer jüngsten Dividendenerhöhung. Auch wenn das eine oder andere Unternehmen attraktiv erscheint, bedeutet das keineswegs, dass man ohne seine eigene Recherche um jeden Preis in sie investieren sollte – ungeachtet der individuellen Bewertungsfrage der Aktien.
Zunächst nähern wir uns dem Monats-Resümee puristisch quantitativ mit der Anzahl an bekanntgegebenen Dividendenerhöhungen an. Im März waren es insgesamt 38 Unternehmen, die seit mindestens zehn Jahren ihre Dividende erhöhen und dies nun 2025 zum wiederholten Male sehr zur Freude ihrer Aktionäre ebenso leisteten.
Alle (zwei) Jahre wieder. So in etwa lässt sich der Rhythmus von zweistelligen Dividendenerhöhungen des Urgesteins aus dem Silicon Valley zusammenfassen. Da die Gewinnausschüttung jeweils im zweiten Quartal des zweiten Jahres angehoben wird, bleibt somit die Erhöhungssträhne auf annualisierter Berechnungsbasis intakt.
Die Oracle Corporation hat sich in der Technologiebranche als marktführender Spezialist für das Datenbankmanagement einen Namen gemacht. Gegründet im Jahr 1977 von Larry Ellison, Bob Miner und Ed Oates, begann Oracle als Software Development Laboratories (SDL) in Santa Clara, Kalifornien. Im Dezember verlegte die Unternehmensführung den Hauptsitz in das texanische Austin. Ohne Angabe eines Zeitplans soll ein neues Headquarters in Nashville, Tennessee.
Die ersten Meilensteine in der Unternehmenshistorie von Oracle (Quelle: Offizielle Website)
Oracle ist bekannt für seine zahlreichen Datenbank-Anwendungen, insbesondere die Oracle Database, die auch heute noch weltweit von Unternehmen zur Datenverwaltung genutzt wird. Das Unternehmen hat sich durch strategische Akquisitionen, darunter die Übernahme von Sun Microsystems im Jahr 2010, erheblich erweitert, was sich auch am notorischen Schuldenberg gut ablesen lässt. Des Weiteren bietet der IT-Konzern eine breite Palette von Produkten an, darunter verstärkt Cloud-basierte Dienste, Unternehmenssoftware wie ERP und CRM sowie Server- und Speicherlösungen für Datenzentren.
Das Geschäftsmodell von Oracle umfasst mehrere Segmente: Cloud- und Lizenzservices, Hardware und Dienstleistungen. Oracle kombiniert traditionelle Verkaufsmodelle (On-premises) mit abonnementbasierten Modellen (Subscription-based), um eine möglichst breite Kundenbasis zu bedienen. Ein Detail am Rande: von den zahlreichen Gerichtsverfahren, in die Oracle verstrickt war bzw. ist, liest man auf der englischen Wikipedia-Seite, jedoch kein einzelnes Wort davon auf der deutschen Version.
Im Rahmen des letzten Kapitalmarkttages präsentierte das Management die aktualisierte Unternehmensstrategie. Darin betont die Führung von Oracle die Aussicht auf weiteres Wachstum im Cloud-Computing. Nach einigen Akquisitionen ab Mitte der 2010er Jahre (u.a. NetSuite, Dyn, BlueKai) kündigte Oracle 2019 eine Partnerschaft mit Microsoft an. Die Allianz begründete sich dadurch, dass Oracle Cloud und Microsoft Azure direkt miteinander verbunden werden. Damit ist es den Kunden beider Unternehmen möglich, Daten auf beiden Cloud-Computing-Plattformen zu speichern und Software entweder auf Oracle oder Azure ausführen zu können.
Das globale Netzwerk der Cloud-Infrastruktur von Oracle (Quelle: Presentation OCW 2024, S. 8)
Diese technologische Weiterentwicklung ist insofern bemerkenswert, da die Cloud-Sparte von Amazon, AWS, damals öffentlichkeitswirksam die Ablöse der letzten von Oracle genutzten Datenbank feierte.
Die langjährige Fehde zwischen den beiden IT-Machtzentren scheint dürfte im Sinne der einkehrenden wirtschaftlichen Rationalität vorerst ruhendgestellt. Heute kooperieren die beiden (einstigen?) Widerstreiter auf Basis der OracleDatabase@AWS – analog zu den bereits bestehenden Partnerschaften mit Google Cloud und Microsoft Azure.
Die Kooperationen von Oracle mit den drei großen US-Cloud-Anbietern (Quelle: Presentation OCW 2024, S. 28)
Bei einem aktuellen Aktienpreis von 140,48 US-Dollar errechnet sich eine Dividendenrendite von 1,4 Prozent. Die Fünfjahres-Dividendenwachstumsrate beträgt 12 Prozent per annum. Oracle hebt seit 17 Jahren ununterbrochen die Dividende an und hat diese seit der erstmaligen Ausschüttung im Jahr 2009 niemals gesenkt.
Zum Abrunden noch die letzten fünf Dividendenerhöhungen von Oracle im Überblick:
Dividendenhistorie von Oracle (Quelle: aktien.guide*)
Auf Basis des Free Cash-Flow landen wir bei der Ermittlung des Payout-Ratio bei als moderat zu bewertenden 79,1 Prozent, auf den Gewinn bezogen beträgt die Ausschüttungsquote 26,8 Prozent.
Ein Blick auf die Passiva in der Bilanz sagt uns, dass das IT-Unternehmen bei einem zinstragenden Schuldenstand von ca. 109,2 Mrd. USD liegt, dem liquide Mittel und Wertpapiere von in Summe 14,1 Mrd. USD gegenüberstehen. Wenn die verbleibenden Nettoschulden iHv. 91,4 Mrd. USD ins Verhältnis zur Ertragskraft gemessen am zuletzt erwirtschafteten EBITDA von 22,9 Mrd. USD gesetzt wird, errechnet sich ein Wert von 4. Dieses Ergebnis liegt doch deutlich über dem als kritisch wahrgenommenen Schwellenwert von 3.
Der Blick auf den Kursverlauf zeigt uns eine bemerkenswerte Kursperformance von +189,3 Prozent im Fünfjahresrückblick:
Fünfjahres-Kursperformance der Oracle Aktie (Quelle: aktien.guide*)
Zuletzt noch ein kurzer Blick auf die aktuelle Bewertung von Oracle. Basierend auf einem gegenwärtigen, von Sondereffekten bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23,5 ist eine deutliche Überbewertung im Vergleich mit dem historischen Durchschnittswert von 17,5 für die letzten fünf Jahren festzuhalten.
Bevorzugt verwende ich bei der Bewertung von Unternehmen gleicher Branchen das Multiple aus Enterprise Value (EV) zu EBITDA. Die Heuristik und vorherrschende Meinung besagt, dass ein Wert von unter 10 eine „gesunde Bewertung“ signalisiert – wie immer bei generischen Daumenregeln muss der unternehmensindividuelle Kontext in der Analyse vom sorgfältigen Investor selbst mitgedacht werden. Im Anwendungsfall von Oracle müssen wir für eine günstigere Bewertung als das aktuelle Ergebnis von 21,3 gar nicht weit zurückblicken. Vor 2025 lag das Multiple weitestgehend bei unter 20.
Enterprise Value zu EBITDA von Oracle (Quelle: Seeking Alpha*)
Im Zehnjahres-Zeitraum brachte ein Investment in Oracle gemessen am Total Return, also inklusive erhaltener Dividenden, eine Gesamt-Performance von rund 274 Prozent für den Anleger:
Total Return von Oracle (Quelle: Seeking Alpha*)
Kommen wir zum nächsten Abschnitt. Zusätzlich erstelle ich für jedes Monat eine Auflistung bestehend aus jenen Unternehmen, die durch ihr dynamisches Dividendenwachstum innerhalb ihres zugeordneten GICS-Sektors jeweils am kräftigsten die Dividende anhoben:
(Quelle: eigene Darstellung)
Im Vergleich zum Februar Monats-Report gab es erfreulicherweise auf Ebene der Einzelwerte keinen Abgang innerhalb der elf Sektoren zu vermelden.
Abrunden möchte ich den Beitrag mit folgenden Unternehmen, die entgegen ihrem normalen Rhythmus bisher (noch) nicht ihre Dividende anhoben und somit die Dividende seit mindestens vier Quartalen unverändert blieb. Mit diesem Monatsende haben 19 Unternehmen aus dem DGI-Screener seit über einem Jahr ihre Dividende nicht erhöht. Aktuell entspricht dies rund drei Prozent der im DGI-Screener gelisteten Unternehmen.
Die drei Jahreszahler DSV, Brenntag und Bechtle werden mit Ende des Jahres nicht mehr im Screener geführt werden, weil sie 2025 eine konstant bleibende Dividende im Vergleich zum Vorjahr bereits bekanntgaben.
5. Quartal unverändert | 6. Quartal unverändert | 7. Quartal unverändert | 8. Quartal+ unverändert |
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The Interpublic Group of Companies | United Bankshares | Westamerica Bancorp | AGCO |
BCE Inc | Arbor Realty Trust | Discover Financial Servics | |
DSV A/S | Dillard's | TowneBank | |
Hershey Company | Johnson Outdoors | UGI Corporation | |
Southside Bancshares | First Financial Bankshares | ||
TriCo Bancshares | |||
Dentsply Sirona | |||
Bechtle | |||
Brenntag |
Neues Monat, neue Dividendenerhöhungen. Diesem Muster folgend habe ich fünf Werte für den Monat April auf meinem Instagram-Kanal kurz und bündig präsentiert (der Beitrag auf meinem Profil ist verlinkt):
Bleibt mir nur noch zu sagen: Auf eine prosperierende Investmentkultur und vielen Dank für deinen Besuch auf Dividend Post!
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Getreu dem Motto: "Nur Bares ist Wahres" werte ich die Dividendenerhöhungen erst nach dem Eingang am Konto.
Sehr erfreulich im März war MFC: Manulife Financial mit +10% bei mir.