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Dividend Post Interview mit Ben Offenberger (Beamteninvestor)

Autor: The Dividend Post (Clemens)
17 September 2022

Diesmal als Gesprächspartner im Dividend Post Interview zu Gast: Ben Offenberger aus dem wunderschönen Baden-Württemberg. Seit einigen Jahren teilt er als der Beamteninvestor auf seinem Blog in äußerst transparenter Art und Weise die Entwicklung seines Portfolios mit der interessierten Öffentlichkeit. Welchen ungewöhnlichen Ansatz Ben bei der Diversifikation verfolgt, warum er in Growth-Titeln als wichtigen Teil seiner Strategie investiert und wie seine Meinung zum Aktienkauf mit Kredit lautet, erfahrt ihr im Interview.

Lieber Ben, herzlich Willkommen zum Dividend Post Interview! Am besten Du stellst Dich mit Deinen eigenen Worten den Lesern vor.

Ben: Vielen Dank für die Einladung zum Gespräch, Clemens. Gerne: ich bin 39 Jahre jung, verheirateter Familienvater und arbeite als Vollzeit-Beamte in Baden-Württemberg.

Erzähl uns von Deinem Weg an die Börse?

Vor zehn Jahren kam das Thema Investieren erstmals auf. Die ursprüngliche Idee meiner Frau und mir war damals das Hausbauen anzugehen, wir verwarfen aber dann die Pläne. Die bis dahin gesparte Summe lag auf dem Tagesgeldkonto rum und es stellte sich die Frage: was tun mit dem Geld? Ich investierte zunächst die Zeit in das Lesen von Börsenliteratur, um mir in diesem breiten Themenspektrum einen Überblick zu verschaffen. Ich war dann relativ schnell angefixt. Gerd Kommers‘ Klassiker „Souverän Investieren“ mit seinem Musterportfolio war der letzte Schritt bis zur Umsetzung. Nachdem ich das Werk zwei-, dreimal durchgearbeitet hatte, setzte ich es auch so wie im Buch dargestellt um. Dazu gesellten sich die Sparpläne und der Investmentprozess war quasi automatisch etabliert.

So wie für vielleicht viele Leute, die sich näher mit der Börse beschäftigen, war mir das Investieren in ETFs nicht genug. Ich schaute mir die Indexzusammenstellung mit den darin enthaltenen Einzelwerten an und entdeckte beispielsweise eine Microsoft. Das Unternehmen kenne ich gut aus dem Privat- wie Berufsleben und ich dachte mir mal anzuschauen, wie sie ihr Geld verdienen. Irgendwann kam ich zu dem Entschluss, dass ich mich durch den Erwerb von Aktien als Miteigentümer gerne direkt an Unternehmen beteiligen möchte. Es macht mir ungeheuer Spaß und hat sich zu einer Leidenschaft entwickelt. Bezeichnenderweise war meine erste Aktie die der Deutschen Bank im Jahr 2016. Zum Glück kam ich mit minimalem Gewinn heraus.

Nicht noch ein Finanzblog?“ lautete der Titel einer Deiner ersten Blogbeiträge. Seit 2019 veröffentlichst Du regelmäßig Content auf Instagram bzw. kurze Zeit später auf Deinem Blog. Erzähle uns über Deine Motivation und Beweggründe, warum Du als Beamteninvestor damit begonnen hast?

Tatsächlich gibt es in meinem Berufsfeld Öffentlicher Dienst eigentlich niemanden, der sich für das Investieren interessierte oder mit dem ich mich gar austauschen konnte. In dieser Nische startete ich als „Beamteninvestor“ im Jahr 2019. Heute kenne ich ein paar wenige Beamte, die investieren. Mit diesen Leuten kam ich ausschließlich über Instagram in den Austausch.

Und wie zufrieden bist Du mit der Entwicklung? Welche Resonanz aus Deinem Umfeld und Bekanntenkreis gibt es zu Deinem Engagement bisher?

Ich muss hier sagen, dass ich mit meinem Engagement relativ lange hinter dem Berg gehalten habe. Nach und nach kam das von selbst raus. Interessanterweise sprach mich bis heute niemand aktiv darauf an. Im Freundeskreis gibt es ab und zu eine Rückfrage, ohne aber, dass ich da ins Detail gehe. Die private Altersvorsorge mit Einzelwerten oder ETFs spielt keine Rolle in den privaten Diskussionen mit meinen Freunden. Aktientipps gebe ich sowieso keine 😊

Zurück zum Investieren: Ich habe vor Kurzem über ein Grundkonzept für eine auf Dividendenwachstum fokussierte Investmentstrategie geschrieben? Wie würdest Du Deine Anlagestrategie definieren und welche Ziele verfolgst Du damit?

Nach der eher überschaubar positiven Erfahrung mit der Deutschen Bank, setzte ich mit der eigenen Investmentstrategie ernsthaft auseinander. Das geschah im Jahr 2017. Seitdem verfolge ich das Investieren in solche Unternehmen, die mich als Aktionär durch Dividenden am Unternehmenserfolg beteiligen lassen. Diesen Ansatz fahre ich nach wie vor. Blicken wir auf die jetzige Zusammenstellung des Portfolios, meine ich eine gesunde Mischung aus Dividendenwachstumswerten und Hochdividendentitel gefunden zu haben.

Beim Kauf bevorzuge ich es, wenn die Unternehmen im Aktienkurs ordentlich abgestraft wurden. Natürlich hinterfrage ich die Gründe für den Kursrücksetzer: handelt es sich um kurz- bis mittelfristige Herausforderungen oder wird das Unternehmen nachhaltig mit Problemen zu kämpfen haben.

2020 erweiterte ich mein Investmentkonzept um die Beimischung von Growth-Aktien. In diese investiere ich mit einem Zielwert von 20 % bis 30 % vom Gesamtportfolio. Die Dividende gibt bei diesem Ansatz nicht den Ausschlag. Gleichwohl muss ich nach meinen Erfahrungen sagen, dass ich mich mit ausschüttenden Unternehmen wohler fühle.

Die Zielsetzung ist klar: jedes Jahr einen stetig steigenden Cash Flow zu erwirtschaften. Langfristig gedacht soll das Depot auf die nächste Generation übertragen werden.

Was sind aus Deiner Sicht die Vor- und Nachteile dieser Strategie(n)?

Mir ist durchaus bewusst, dass eine Outperformance gegenüber gewissen Indices schwierig wird. Damit kann ich gut leben. In meinen Monatsabschlüssen führe ich zur besseren Orientierung die Entwicklung im Vergleich mit dem S&P 500 – was aufgrund meines US-Anteils mit ca. 85 % Sinn macht – und dem MSCI World an. Letzteren schlage ich, mit dem S&P 500 halte ich Schritt.

Auf welchen wesentlichen Aspekte bzw. Regelwerk beruhen Deine Entscheidungen in deinem Investment-Prozess?

Ich fokussiere mich nicht auf den prozentualen Anteil einer Position am Gesamtdepot, sondern auf deren Dividendenzahlung. Das mag im Gegensatz zu anderen Regelwerken außergewöhnlich erscheinen. Hierbei ist für mich der US-Dollar maßgeblich, da wie oben erwähnt der überwiegende Teil des Depots in US-Unternehmen liegt. Eine finale Positionsgröße ist für mich bei einer jährlichen Bruttodividende von 2.000 USD erreicht. Das Unternehmen wird dann nicht mehr nachgekauft. Jene Titel mit hohen Dividendenrenditen haben ihre volle Positionsgröße viel schneller erreicht als in Relation zu Unternehmen mit einer geringeren Dividendenzahlung. Ich sehe diesen Aspekt als Teil meines Risikomanagements. Praktisch sind bei mir die Positionen einer Altria, Imperial Brands und Omega Healthcare voll, da fließt kein weiters Geld in neue Stück mehr rein. Bei einer Mastercard bin ich aktuell noch Lichtjahre davon entfernt.

Wenn Unternehmen die Dividende streichen oder kürzen, prüfe ich den Einzelfall. Die erste Zeit während der Corona-Pandemie war ein gutes Lehrbeispiel für mich, als einige REITs ihre Dividende kürzten oder einfrieren mussten. Hier musterte ich radikal aus. Manche Werte wie EPR Properties blieben im Depot, da für mich die damalige Entscheidung des Managements nachvollziehbar war und ich vom Geschäftsmodell überzeugt war. Heute zahlen sie wieder monatlich ihre Dividende.

Zum Zusammenhang von Unternehmensqualität und Dividendenqualität: Welche Rolle spielt dabei das Dividendenwachstum für Dich?

Eine interessante Frage. Ich möchte hier die Einstiegsrendite (Yield on Cost) ins Spiel bringen. Je niedriger diese ausfällt, desto kräftiger sollte meines Erachtens das Dividendenwachstum sein. Um sich langfristig ein hohes Dividendenwachstum leisten zu können, müssen qualitative Faktoren wie Geschäftsmodell und Marktposition beim Unternehmen erfüllt sein. Im Gegensatz zu früher spielen die dividenden-orientierten Kennzahlen eher am Ende meines Selektionsprozesses eine Rolle in der Entscheidungsfindung – neben der aktuellen Bewertung der Aktie.

Auf Deinem Blog betreibst Du das Wachstums-Sparplanprojekt. Was steckt dahinter?

Entstanden ist das Wachstums-Sparplanprojekt aus einer Community-Initiative auf Instagram im September 2020. Dank der günstigen Neo-Broker in Deutschland werden die anfangs 15, heute 17 Werte monatlich bespart. Das Update zum zweijährigen Jubiläum wird auf meinem Blog folgen. Die zu Beginn sehr gute Performance drehte in den Negativbereich mit dem Kursrückgang im Technologie-Bereich seit November letzten Jahres.

Mittlerweile machst Du das Ganze seit einigen Jahren. Wie geht sich das alles mit einem intakten Privatleben und Hauptjob aus? Wieviel Zeitaufwand fließt in Dein Engagement?

Schwierig zu beantworten. Die investierte Zeit hängt vom Aufwand im Hauptjob ab. Familie und Beruf gehen immer vor. Was mir zugutekommt, ist meine Leidenschaft für die Börse. Ich beschäftige mich damit in jeder freien Minute wie zum Beispiel das Pendeln in die Arbeit. In den beiden Stunden für Hin- und Heimreise höre ich Finanzpodcasts und überlege mir, zu welchem Thema ich was posten oder bloggen könnte. Manche Beiträge sind standardisiert mit wenig Zeitaufwand, andere dauern ein bis zwei Stunden. Viel Zeit fließt in das Beantworten von Privatnachrichten. Bei der Vielzahl kann es ab und an mal vorkommen, dass eine Nachricht untergeht.



Beamteninvestor

Beamteninvestor auf Instagram

Welche Bedeutung spielt das Thema Diversifikation für Dich als Investor mit einem Portfolio von über 100 Einzelwerten und hohem US-Anteil?

Eine sehr hohe 😊. Ich bin weit weg davon zu behaupten, dass ich schlauer als irgendjemand anderer am Markt bin. Da ich nicht in der Lage dazu bin, zwingt mich dies gewissermaßen zu diversifizieren. Meine Strategie stützt sich nicht auf einzelne Positionen, sondern das Portfolio soll beim Ausfall der Dividendenzahlung eines Unternehmens nicht wesentlich darunter leiden.

Wenn wir schon beim Punkt des Risikomanagements angekommen sind, widmen wir uns einen Tabuthema:Aktien auf Kredit. Erzähl uns mehr davon, wie Du damit umgehst.

Dieses Thema halte ich momentan eher im Hintergrund, weil es auch niemanden dazu verleiten soll, mit Hebel in den Markt zu investieren. Ich legte für mich ein striktes Regelwerk fest, wann ich auf Kredit Aktien kaufe. Einerseits eine fixe Obergrenze in absoluter Zahl. Andererseits eine zweite Barriere mit maximal 20 % des Kredithebels bezogen auf die Gesamtsumme des Portfolios (z.B. 20 % von 250k entsprächen einem Maximalbetrag von 50k). Weiters sind diese Investments durch Rahmenkredite bei anderen Banken besichert. An dieser Stelle möchte ich festhalten, dass dies nie ein Thema für mich gewesen wäre, hätte ich nicht meine Stellung im öffentlichen Dienst.

An der Börse bilden wir uns als Investoren eine bestimmte Meinung, bevor wir in ein Unternehmen, Fonds, o.ä. unser Geld investieren. Du führst dank des Blogs regelmäßig Buch über Deine Investments? Wann hat sich Deine Meinung das letzte Mal geändert?

Ehrlich gesagt ändere ich meine Meinung dauert. Andersrum wäre es auch an der Börse fatal, sklavisch an irgendeiner Entscheidung festzuhalten, welche schlichtweg nicht mehr den Fakten entspricht. Bei der Strategie sehe ich das anders. Hier kann ein Hin- und Herspringen bei der Grundausrichtung sehr teuer enden.

Das Thema Lernen ist ein steter Begleiter auf und abseits der Börse. Als studierter Politikwissenschafter dürfte Dir das Reflektieren über historische Ereignisse nicht fern liegen. Was waren Deine prägendsten Erfahrungen, aus denen Du für Dich am meisten gelernt hast?

Spezielle Ereignisse habe ich nicht konkret im Kopf. Aus Büchern über Warren Buffett, Charlie Munger oder Guy Spier ziehe ich nach mehrmaligen Lesen immer was raus.

Jetzt hast Du die nächste Frage schon mitbeantwortet. Welche Medienempfehlungen möchtest Du den Lesern mitgeben?

Von Anfang an höre ich den Finanzrocker-Podcast. Echtgeld-TV finde ich auch klasse. Blogmäßig verfolge ich von Michael Kissig „Intelligent Investieren“. Ich könnte Dir jetzt noch unzählige Bücher auflisten, beschränke mich aber auf mein Lieblingsbuch zur Börse von Jeremy Siegel „Aktien für die Ewigkeit“. Kann man immer wieder durchstöbern, wenn die Börse gerade nicht ganz so prächtig läuft.

Was hast Du für die Zukunft geplant?

Ich besitze keine großen Pläne für den Beamteninvestor. Instagram macht mit den Fake-Accounts und komischen Algorithmus nicht immer Spaß. Abgesehen davon bin ich zufrieden, wenn es so wie momentan weiterläuft. Die Austausch mit anderen Leuten gibt mir am meisten, denn ich so im privaten Umfeld niemals hätte.

Zum Schluss: worum geht’s im Leben?

Dazu fällt mir das Wichtigste ein: Familie. Ohne Menschen um Dich, die Dich nicht lieben, ist das Leben nichts wert.

Ben, vielen Dank für Deine Zeit und das Interview!


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1 Kommentar wurde geposted.
18. September 2022 05:32 - Robert  

Daumen hoch, danke clemens

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